Grünraum - So wird Wien wirklich cool

Wien hat riesige ungenutzte Flächen jenseits der Verkehrsflächen, die begrünt werden können. Allein in den inneren Bezirken existiert dafür ein theoretisches Potential von mehreren Fußballfeldern.

Dichte Verbauung und großflächige Versiegelungen des öffentlichen Raumes fördern die Bildung von Hitzeinseln, die Speicherung der Wärme in den Nachtstunden und hindern die Versickerung von Regenwasser – insbesondere im innerstädtischerem, dicht verbauten Gebiet. Je dichter dabei die Bebauung ist, desto höher sind die Temperaturen, welche durch den hohen Grad an Versiegelung entstehen. Dabei ist jedoch nicht (nur) der Verkehrsraum als Hitzepol zu nennen, sondern vor allem auch versiegelte Plätze und Hausfassaden.

Die Stadt Wien hat sich als Ziel gesetzt mehr „Grün“ zu schaffen – dazu zählen v.a. mehr Bäume und mehr Grünflächen. Allerdings wird dabei nahezu ausnahmslos der Fokus auf Flächen des Verkehrs gelegt, obwohl auch abseits dieser Flächen Raum zur Verfügung stehen würde. Ein wesentliches Ziel muss es daher sein, versiegelte Flächen zu identifizieren, welche von keiner Verkehrsteilnehmergruppe verwendet werden (können) um diese „aufzubrechen“ und zu begrünen.

Ebenso werden auch Neu- bzw. Umplanungen vorgenommen, bei denen große versiegelte Bereiche geschaffen werden, die ungenutzt bleiben. Derartige Flächen sollen zuerst entsiegelt oder im Idealfall gar nicht erst geschaffen werden.

Hierzu bedarf es eines bezirksübergreifenden Konzeptes, um ein „Begrünungsprogramm“ umzusetzen, welches den primären Fokus auf überdimensionierte Flächen abseits des Verkehrsraumes legt. Das Hauptaugenmerk könnte dabei auf nachstehende Punkte gelegt werden:

Beispiele für versiegelte innerstädtische Plätze

Zahlreiche bekannte Plätze der inneren Bezirke weisen einen hohen Anteil an versiegelten Flächen auf. Allein diese Fläche entspricht rund fünf Fußballfeldern. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten für eine begrünte Gestaltung und damit auch für eine gesteigerte Aufenthaltsqualität. Hinzu kommen noch zahlreiche kleinere Plätze, Vorplätze sowie Areale vor Stationen.


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Ein großes Potential bieten Flächen, welche sich im Bereich von Kreuzungen oder Haltestellen befinden. Aufgrund (zumeist) vorliegender Bodenmarkierungen werden den jeweiligen Verkehrsteilnehmergruppen Flächen zugewiesen. Dabei entstehen zwangsweise Restflächen, welche von keiner Gruppe genutzt werden (können).


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Hierzu zählen in erster Linie Gehsteigvorziehungen im Kreuzungsbereich mit unnötig breiten Flächen. Große, versiegelte Flächen bestehen bei Anordnung von vorgelagerten Schrägparkplätzen. Unter Berücksichtigung der Wunschgehlinien von Fußgängern sowie der Vermeidung von Sichtabschattungen sowie Sichteinschränkungen zwischen Fzg-Lenkern und zu Fuß gehenden, können derartige Flächen problemlos begrünt werden.


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Teilweise werden Bäume (Baumscheiben) im Bereich von Parkstreifen derart ungünstig situiert, dass zusätzliche Stellplätze entfallen. Hier sollen Baumscheiben ausschließlich der Art des Parkstreifens (Längs-, Schräg-, Senkrechtparker) angepasst werden.

An besonders stark versiegelten Stellen soll ein verstärkter Einsatz von Rankgerüsten (Pergola) mit Begrünung zu einem verbesserten Microklima sowie zu einer höheren Beschattung beitragen.

Die Wiener Linien haben im Mai 2020 begonnen einzelne Stationen und Wartehäuschen zu bepflanzen. Diese Initiative soll verstärkt werden und alle Stationen, bei denen es möglich ist, begrünt werden. In Anbetracht der Vielzahl an Stationen und Haltestellen können so verteilt über das gesamte Stadtgebiet grüne Punkte gesetzt werden.


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Wien ist derzeit kein Vorreiter beim Thema Gleisbegrünung. Begrünte Straßenbahngleise findet man nur vereinzelt bspw. an der Linie D im Sonnwendviertel, am Landstraßer Gürtel oder an der Linie 62 in Lainz.

Eine Begrünung ist überall dort möglich, wo die Straßenbahn auf einem selbstständigen Gleiskörper geführt wird, und dieser auch nicht von Bussen oder Einsatzfahrzeugen benutzt wird. Die Begrünungen können auch auf kürzeren Abschnitten angewendet werden – Unterbrechungen der Grünfläche bspw. bei Abbiegespuren sind daher möglich.

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